HOMOPHOBE GEWALT IN DEUTSCHLAND


Am 28. Juni 1969 fanden die berühmten Stonewall Riots statt. Die Geburt des Gay Prides auf der Christopher Street in New York. Was international als ,,Gay Pride" bekannt ist, wird in Deutschland als ,,Christopher Street Day" erkannt. Ein Tag an dem nicht nur großzügig gefeiert, getrunken und getanzt wird, sondern ein Zeichen für Akzeptanz, Offenheit und Vielfalt gesetzt wird und sich alle möglichen Menschen, egal ob homosexuell, heterosexuell oder weitere sexuelle Orientierungen, versammeln. Es geht nicht nur um den Tag an sich, sondern die jahrzehntelange Geschichte, die hinter diesem Jubiläum steckt. 2019 feierten rund 800.000 Menschen den Kölner Christopher Street Day. Köln als Homohochburg war aber nicht allein, da der CSD heutzutage in dutzenden deutschen Städten stattfindet. Doch nach 50 Jahren Pride, Party und Parade stellen wir fest, dass die homophobe Gewalt gegen die LGBTQ+ Community und die Diskriminierung dieser zunehmen. Wie kann unsere offene und bunte Wahrnehmung so mit der Realität kollidieren?

DISKRIMINIERUNG NIMMT ZU


Die Kategorie ,,Sexuelle Orientierung” in einer Veröffentlichung vom Bundesinnenministerium mit dem Thema Hasskriminalität in Deutschland zeigt, dass die Anzeigen von 48 im Jahre 2001 auf 351 im Jahre 2018 gestiegen sind. 10 Taten wurden noch im Jahr 2001 in der Kategorie ,,Sexuelle Orientierung Gewalt” gezählt, 2018 nun schon 97. Experten zufolge könne der Anstieg der Gewalttaten auf die Zunahme der medialen Thematisierung zurückgeführt werden. Das Anders-Sein, in diesem Fall das Schwul-/Queer-Sein, wurde in den letzten 20 Jahren von den Medien immer weiter und immer positiver thematisiert, was dazu führt, dass das Anders-Sein nun nicht mehr als ,,Fremdkörper” sondern als Bereicherung betrachtet wird. Das heißt für die heterosexualisierte Gesellschaft aber gleichzeitig, dass das Privileg zur Norm zu gehören damit verschwindet, was sich in homophober Gewalt äußern könne. Des Weiteren wird die Community medial als eine Art ,,Rauschkultur” dargestellt. Männer, die gut aussehen, die Konsum genießen, nur Party machen und selbstsüchtig und egozentrisch ihrem Leben nachgehen. Dies sorge bei der Hetero-Gesellschaft für ein Neidmotiv. Dieses äußert sich in den Fragen wie: ,,Wo ist der Beitrag der Homosexuellen für die Gesellschaft, wie z.B. Kinder kriegen?”. Ein fundamentales Ausgangsmotiv sei vor allen Dingen auch die Ordnungsfrage: Heterosexualität ist von Gott/der Natur gegeben, Homosexualität spricht gegen diese Norm.
Pride Flagge
Die berühmte Pride-Flagge

Wie wirkt man dieser Entwicklung also entgegen?


Timo Becker ist Kabarettist und besucht mit seinem Programm ,,Homologie statt Homophobie” Schulen in ganz Deutschland, um über Vorurteile und Differenzen aufzuklären. 90 Minuten unterhält Timo die Schüler, die ihm nach seinem Auftritt noch Fragen stellen dürfen. Und das alles mit großem Erfolg: Timo startete 2014 und ist nun bereits 6 Jahre on tour. Doch was genau getan werden muss, um ein (utopisches) Klima voller Offenheit, Toleranz und Vielfalt zu erreichen? Experten zufolge müsse vor allen Dingen bereits früh genug damit angefangen werden, dass Kinder mit Vielfalt in Kontakt gebracht werden. Viele Kinder hören von Homosexualität beispielsweise das erste Mal wenn es um AIDS in der Schule geht, was natürlich das komplette Gegenteil von ,,Differenzen als Bereicherung ansehen" bewirkt. Das heterosexuelle System muss sich vor allen Dingen von seinem chauvinistischen Bild lösen, dass SIE die Norm sind, d.h. es gehen keine Privilegien der Heteronorm verloren, sondern die LGBTQ+ Community erhält endlich die Privilegien, die ihr schon seit langer Zeit zusteht. Was auch deutlich erkennbar ist, je näher man der Pride Season kommt, ist die sogenannte Zunahme des ,,Pink-Washing“, was für das Regenbogen-Marketing steht. Was die Werbung allerdings ausblendet sind die realen Menschen dahinter: Menschen, die sich aufgrund ihrer Orientierung schämen, auf Straßen bespuckt oder im schlimmsten Fall Opfer von gewalttätigen Übergriffen werden. Die Medien und Marken verkaufen Gay Pride als farbenfrohe und glückliche Regenbogenwelt, doch die heutigen Zahlen beweisen wie dunkel die heutige Zeit eigentlich ist. Gefühle sind natürlich und nicht steuerbar, deswegen heißt es ja auch ,,Wo die Liebe hinfällt“. Und trotzdem gibt es Menschen, die Liebe zwischen zwei Männern oder Frauen nicht akzeptieren und tolerieren. Gerade deshalb muss auch heute die aktive Partizipation beibehalten werden um über diese Einstellungen aufzuklären, diesen entgegen zu wirken und diese bestenfalls zu verändern.

Und obwohl wir heute im Jahre 2020 leben, sind Menschen immer daran gehindert, sich persönlich voll zu entfalten, d.h. also auch zu ihrer Sexualität zu stehen. Dies ist nicht aus eigener Scham, sondern aus gesellschaftlichem Druck, der dich automatisch ausschließt und in eine Schublade packt. Und trotzdem ist das Interesse der Öffentlichkeit immer riesig wenn es um die Frage nach der Sexualität geht. So gut wie jeder männliche Prominente in Deutschland wurde mindestens schon einmal in einem Klatsch-Magazin unter die Lupe genommen, ob er nicht tatsächlich doch schwul sei. Ein bekanntes Beispiel für das Interesse der Öffentlichkeit ist der berühmte Künstler Andy Warhol, der immer wieder von den Medien in den Fokus genommen wurde.

Homosexualität zwischen zwei Männern
Opfer von Homophobie